Landwirte, Förster und Jäger – fremd im eigenen Revier?

Was wissen wir noch über die uns unmittelbar umgebende Land- und Forstwirtschaft? Arbeiten wir mit Bauern und Förstern (noch) zusammen oder entfremden wir uns immer mehr? Autor Peter Burkhardt befürchtet zunehmend größere Gräben zwischen den Akteuren und hofft auf mehr Dialoge und gegenseitiges Verständnis. 


Gregor war außer sich vor Wut. Zwei Wiesen in seinem Revier sind gestern gemäht worden, keiner hat sich vorher gemeldet, zwei tote Kitze hat er heute ebenso entdecken können/müssen, wie vier tote Junghasen und ein zerstörtes Rebhuhngelege. Ausgerechnet Rebhühner hat es also auch getroffen, dabei hat er sich in den letzten Jahren intensiv um diese Feldhühner gekümmert. Wie konnte eine derartige Misere zukünftig verhindert werden?

Umgehend rief er beim entsprechenden Landwirt an und vernahm erstaunliches: „Ja, die Wiesen sollten gemäht werden, allerdings erst kommende Woche.“ Und nein, der Agronom mäht nicht mehr selber, sondern hat diese Arbeit an ein Lohnunternehmen abgegeben. Die sind dann wohl deutlich früher auf die Flächen gekommen als geplant. Beide vereinbarten für den Nachmittag ein Treffen. Bis dahin hatte Gregor das nunmehr zuständige Lohnunternehmen ermittelt und traf, immer noch angesäuert, bei dem Landwirt ein. Dort wurde ihm erklärt, welche Verschiebungen hinsichtlich der Feldarbeit es – nicht nur auf diesem Hof – in der letzten Zeit gegeben hatte. Immer mehr Tätigkeiten würden ausgelagert, zu unrentabel sei das Vorhalten großer Maschinen für oft zu kleine Höfe. Zu geringe Auslastung, zu hohe Betriebskosten, die Liste ließe sich verlängern. 

Was beide schnell im Zuge ihre Gespräches feststellen mussten, war vor allen Dingen eines: Man wusste viel zu wenig voneinander, gleichwohl Gregor schon länger Pächter des Feldreviers war. 

Und so staunte mal der eine Gesprächspartner, mal sein Gegenüber. Was wusste der Jagdpächter konkret über die aktuelle wirtschaftliche Situation der verschiedenen Höfe in seinem Jagdbezirk? Was kann der Jäger – nehmen wir das konkrete Beispiel – über den Sprung vom 1- vielleicht 2-Balken-Mäher des Gesprächspartner zum fünf Mähwerke bewegenden Großtraktor des Lohnunternehmers sagen? Was weiß der Landwirt konkret darüber, was allein diese technische Veränderung (O-Ton Gregor) / technische Verbesserung (O-Ton Landwirt) für das Niederwild bedeutet? 

Was wissen wir voneinander?

Das zunächst auch für mich, der ich im Nachgang die Unterredung geschildert bekam, als auch möglicherweise für Sie, verehrte Leserinnen und Leser, Überraschende war, dass bei Gesprächspartner sich über Jahre kannten. Trotzdem blieben voreinander selbst einfache Zusammenhänge verborgen, waren so nie geäußert worden. Positives Fazit: Der Lerneffekt war immens!

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf habe ich mich selber überprüft – und mein Umfeld gleich mit dazu. Viel zu wenige Landwirte sind heuer noch Jäger, viel zu viele Jäger wissen zu wenig über die Landwirtschaft. Mein Ziel für die Zukunft: Zu jeder Jagdversammlung, sei es auf Hegering- oder Hochwildring-Ebene, ergehen Einladungen an unsere Agronomen und auch an die jeweiligen Verbandsvertreter. Umgekehrt steht es uns gut an, wenn das Landvolk tagt, auch deren Versammlungen zu besuchen, genau hinzuhören und ggf. neue Eindrücke umzusetzen.

Hatte ich nicht schon öfter erfahren müssen, dass wenn z. B. eine Ernte in den USA misslingt oder in China der Markt nach Produkt x oder Produkt Y schreit, selbst in unserem kleinen Landhandel im Nachbardorf die Preise rasant stiegen? „Tja“, sagte der rührige Verkäufer dann gern, „selbst wir hier in tiefsten Hinterland sind eben mit den Weltmärkten untrennbar verbunden.“ Inzwischen, insbesondere nach Gregors Schilderung des schließlich vierstündigen Gesprächs mit dem Landwirt, realisiere ich, dass es (sicherlich vielerorts) immer noch am gegenseitigen Verständnis hapert. 


Im Dialog bleiben

Was im Feldrevier noch nicht so gut gelingt, funktioniert bei uns im Waldrevier bedeutend besser. Woran liegt's? Mein Schwiegervater, mein Sohn und meine Schwiegertochter waren beziehungsweise sind Förster. Was wurde schon an unseren Tischen über Wald, Wild und Jagd debattiert? Stunden haben wir so zugebracht. Durch den Beruf der drei habe ich unendlich viel über die Forstpartie gelernt. Tausche ich mich aber auch nur über kleine Teile waldbaulicher Belange mit meinen Jagdnachbarn aus, wissen diese teilweise nichts darüber! Wie kann das sein? 

Da jagt jemand in der fünften Pachtperiode im Wald und hat bis heute kein Verständnis für Forstgatter, hält Holzernte-Maschinen immer noch für den Ausbund des Teufels und steht mit mir in seinem jagdlichen Beritt, ohne zu erkennen, dass beispielsweise seine jungen Douglasien in der Mehrzahl verfegt, geschält oder verbissen sind.

Nicht-Wissen und fehlender Austausch lässt sich aber auch andernorts dokumentieren: Diskutiert man bei Versammlungen von Forstbetriebsgemeinschaften und/oder Jagdgenossenschaftsversammlungen mit den Anwesenden, stelle ich immer wieder fest, dass kaum ein Waldbesitzer/Jagdgenosse gemeinsam (!) mit dem zuständigen Förster wenigsten ein-/zweimal pro Jahr im Wald ist. Auch hier werden m. E. Chancen vergeben.

Bei mir sind regelmäßige Begehungen oder der fortwährende Austausch Jagd-Forst mit „meinem“ Förster Gang und Gäbe. Die Folge: Ich melde durch Sturm kaputte Gatter, äußere den Verdacht, ein Fichtenhorst mit Verdacht auf Käferbefall entdeckt zu haben oder bringe auch mal einen Brennholz-Werber in die Abteilung, wo er wirken kann. Umgekehrt sind die Pflanz-Kolonnen im März und April bei mir und nicht im Mai. Gemeinsam mit dem Förster wurden zwei Stellen ausgespäht, wo wir kleine neue Tümpel anlegen können. Durchforstungsmaßnahmen werden telefonisch früh angekündigt und mir so die Chance gegeben, ein dann ursprünglich terminiertes Jagdwochenende mit Freunden noch vorzuverlegen. 


Entfremdung einerseits ...

Wäre es nicht eine überlegenswerte Idee, bereits frühzeitig und in der Fläche, d.h. im Rahmen der Jungjäger-Ausbildung, die Themen Land- und Forstwirtschaft intensiver zu behandeln? Müssten wir nicht in der Jagdausbildung viel mehr Verständnis/Kenntnisse für/über beispielsweise Feldfrüchte, Dünger oder Beregnung – um nur drei Stichworte zu nennen – wecken? 

Nicht nur, dass viele „Stadtmenschen“ inzwischen keinen Bezug mehr zur Land- und Forstwirtschaft (zur Jagd auch!) haben: Selbst in (Jung-)Jägerkreisen ist zu beobachten, dass ein immer größer werdender Graben zwischen Jägerinnen und Jägern einerseits und praktizierenden Landwirten andererseits klafft. Die Folge: Mancher Nimrod stimmt unreflektiert in das gerade so beliebte „Agronomenbashing“ mit ein, obwohl gerade wir es sind, die eigentlich eng verzahnt mit den Bauern/Jagdgenossen kooperieren müssten. 

Kitzrettung ist da immerhin ein erster kleine Schritt in die richtige Richtung, wenngleich längst nicht genug.


… fehlende Ausbildung andererseits 


Gelöst ist damit aber nicht das Verständnis für „das große Ganze“, womit sich wieder der Bogen zurück zur Jungjägerausbildung oder Seminar-Angeboten schlagen ließe. Gerade im ersten Fall scheitert der fromme Wunsch aber zumeist an Zeitnot durch enge Lehrpläne. Warum „enge Lehrpläne?

In meinem Umfeld wurde gerade der Jungjägerkurs einer Jägerschaft abgesagt! Ursächlich dafür waren nur 3 (in Worten drei) Anmeldungen. Ob wir es nun gutheißen oder nicht: Ein über Monate andauernder Ausbildungszyklus wird immer weniger goutiert, stattdessen boomen Jagdschulen. Wer jetzt meint, da sei ja ohnehin alles schlechter irrt: Stundenanzahl und Inhalte gleichen einander, es scheint aber so, dass die „Kurzform“ Jagdschule dem längeren Lernansatz den Rang längst abgelaufen hat. 

Das kann man nun bedauern, ist aber Fakt. Die Crux liegt längst nicht mehr in der Verkürzung Jägerschaft versus Jagdschule, sondern in den immer noch z.T. komplett veralteten Lerninhalten! Statt über das künftige jagdliche Umfeld zu informieren (Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Klimawandel, Jagdgegner, …) erlebe ich immer noch, wie der „Gebrauchshirschfänger nach Frevert“ abgefragt wird oder sich in Zahnformeln ergangen wird. Doch die Inhalte von Jungjägerausbildung und das Selbstverständnis mancher Prüfungskommission noch zu beleuchten, sprengt hier den Rahmen und wäre einen eigenen Artikel wert. 


Seminare, Hoffeste und Stammtische


Was bleibt ist meine Hoffnung auf weiterführende Seminare. Nicht nur „Wildschadensschätzung“, sondern gerne weiter gefächerte Inhalte. Interessant wäre zu beobachten, wie viele Jägerinnen und Jäger dann tatsächlich daran teilnehmen würden. Daher hänge ich den Wunsch mal tiefer: Auch der Besuch bei einem „Tag des offenen Hofes“ oder ein Hoffest ermöglicht bereits Dialoge und Erkentnisgewinne! 

Oder in meinen Fall hilft ganz konkret der Blick auf den einmal im Monat stattfindenden Stammtisch: Beim letzten Mal habe ich versucht zu ermitteln, wer da alles in der großen Runde sitzt: Bäcker, Polizisten, Förster, Journalisten, eine Zahnärztin, Soldaten, ein Forstwirt, mehrere Rentner, ein Postbote, … Diese Vielfalt macht die Qualität dieser Runde aus. Ja, es dreht sich fast immer um die Jagd, aber eben nicht nur. Und generell sind unterschiedlichste Herangehens- und Sichtweisen sowie die Vielfalt der Erfahrungen hilfreich. 

Schlussendlich habe ich mich in der Stammtisch-Runde erkundigt, ob man den unbedingt einen Jagdschein vorweisen muss, um daran teilzunehmen. „Keinesfalls“, so die einhellige Antwort. Jagdaffinität unbedingt, aber einen Jagdschein, das muss nicht sein. Warum ich nachgefragt habe? Richtig, es fehlen ein paar Landwirte in der Runde! Ich werde versuchen, mehr von ihnen auch an diesen Tisch zu bekommen ...




Nur wer Wasser hat, hat Wild!

Lange schon beobachte ich – nicht nur in unserem Waldrevier – diverse Veränderungen durch die Trockenheit der vergangenen drei Jahre. Ein Einzelfall? Mitnichten, wie Recherchen in verschiedenen Revieren und Regionen, bei Landwirten und der Feuerwehr ergaben. Was schilderten Revierinhaberinnen und -inhaber, was wissen Meteorologen zu berichten? Wie können, ja, müssen wir in unseren Revieren darauf reagieren, wenn mancherorts schon ein „Verteilungskampf um das Wasser“ prognostiziert wird? Und ein Ende der Dürre-Probleme scheint nicht in Sicht ...



Der Versuch eines Überblicks

Als Julia Klöckner die Waldzustandserhebung Ihres Ministeriums vorstellte, verdeutlichte der Bericht, dass die vergangenen drei Dürrejahre, der massive Borkenkäferbefall, Stürme und vermehrte Waldbrände in den Wäldern langfristig massive Schäden angerichtet haben. Die aktuellen Ergebnisse „gehören zu den schlechtesten seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984, die meisten Bäumen haben lichte Kronen.“ Auch der vielerorts laufende Waldumbau gestaltet sich schwierig, denn insbesondere in den ersten Jahren einer Kultur kann Wassermangel zu hohen Ausfällen führen. 

Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) war da schon weiter: Bereits im Sommer 2020 veröffentlichte sie eine lesenswerte Studie zu Dürre im Alpenraum. Tenor u.a.: „Trockene Jahre treten gehäuft auf“ und der Umstand, dass Proble bei Landwirtschaft und Grundwasser zunehmen werden.

Und im Bereich der Landwirtschaft? Im Futterbau waren die zurückliegenden Jahre besonders schwierig – die Wetterextreme nehmen spürbar zu“, beschrieb ein Landwirtschaftsfunktionär die Lage. Ein Kreislandwirt fasste die Situation so zusammen: „Wer zukünftig keine Beregnung einsetzt, wird häufig so limitiert sein, dass viele Betriebe nicht mehr auskömmlich wirtschaften können.“ In diesem Zusammenhang wies ein anderer Agronom darauf hin, dass „zunehmend Beregnungsbrunnen trocken fallen.“ Er rechne mit „einem Verteilungskampf um die Ressource Wasser – und dies nicht erst, seitdem in seiner Region selbst Vieh-Weiden und Grünland beregnet werden müssten.“ 

Das Austrocknen von Brunnen, die jahrelang funktioniert haben, ist ein Fakt, den auch Einsatzkräfte der Feuerwehren beobachteten. Nicht umsonst werden vor dem Hintergrund steigender Waldbrand-Gefahren immer mehr Zisternen oder Kessel verbaut, „um wenigstens so noch ein paar tausend Liter Löschwasser in der Fläche gesichert zur Verfügung zu haben“, wie ein Gemeindebrandmeister unlängst anmerkte. Vielfach werden die Wehren mit immer mehr und immer größeren Tanklösch-Fahrzeugen ausgestattet, „da wir für Wald- oder Flächenbrände immer öfter unser Wasser mitbringen müssen.“ Ein weiterer Hintergrund: Die Wasserentnahme aus offenen Gewässern, z.B. Bachläufen oder Teichen, ist an vielen Stellen nicht mehr gesichert, da diese kein oder nur noch zu wenig Wasser führen!

Dass anhaltende Trockenheit kein regionales Problem darstellt, verdeutlichen weitere Meldungen: Der Deutsche Wetterdienst berichtete, dass „die Monate Januar bis März das wärmste erste Quartal seit 100 Jahren war. Das dritte Jahr in Folge drohen jetzt in weiten Gebieten Europas Dürren und Wasserknappheit.“ Und der Copernicus Climate Change Service ergänzt, dass sich die Trockenperiode über den gesamten Kontinent ausbreitet. „Große Flüsse wie die Donau führen schon zu Beginn des Jahres weniger Wasser als üblich.“ Auch die Daten der NASA verdeutlichen ein Dürre-Problem in weiten Teilen Mitteleuropas. Im August 2022 die ergänzende Meldung: "Deutschland hat eine Wassermenge verloren, die der des Bodensees entspricht". Besonders betroffen seien u.a. die Regionen um Lüneburg und Nordost-Niedersachsen.  



Ein Blick in verschiedene Reviere

Das Revier, dass die Familie X nun schon in der dritten Generation bejagt, war immer eines der besten Schwarzwildreviere. Ein Erlenbruch, ein Bachlauf und Dickungskomplexe ließen die Schwarzkittel dauerhaft in diesem gemischten Feld-Waldrevier verbleiben. Inzwischen kommen Wildschweine – wenn überhaupt – nur noch sporadisch als Wechselwild vor. Der Bachlauf führt nur noch im Winter Wasser, der Erlenbruch ist trocken gefallen. 

Im reinen Waldrevier von Jägerin XY war das Rotwild stets Standwild. Ein Abzugsgraben, der aus der Feldmark kommend das Revier durchlief, ist inzwischen ausgetrocknet. „Niemand“, so die Revierinhaberin, „kann sich daran erinnern, dass dieser Graben jemals kein Wasser führte.“ Mehr noch: „Als Kinder haben wir dort gebadet oder sind – auf Baumstämmen sitzend – den Graben entlang gepaddelt.“ Inzwischen stellt sich die Lage bezüglich des Rotwildes genau so dar, wie die des Schwarzwildes im Revier der Familie X: Die Wildart kommt kaum oder nur noch tageweise vor. „Noch bevor die Suhlen und der Graben kein Wasser mehr beinhalteten, waren bereits die Äsungsstreifen verdorrt. Selbst das Rehwild-Vorkommen ging signifikant zurück“, beschreibt die Jägerin die aktuelle Lage.

Auch Profis müssen teilweise immer weitere Wege gehen, wie die Schilderung eines Berufsjägers verdeutlicht. Er betreut ein Feld- bzw. Niederwildrevier und führt aus: „Hase, Fasan und Rebhuhn können ihren Wasserbedarf i.d.R. über die grünen Pflanzenteile etc. decken. Oberirdisch erreichbares Wasser ist daher nur bedingt nötig. Bis dato reichten auch kleine Wasserstellen, die beispielsweise von Rehwild und Fasanen frequentiert wurden. Inzwischen gibt es kein Wasser mehr und grüne Pflanzenteile sind Mangelware.“ Die Folge: Das ehedem wildreiche Revier ist zwar nicht wildleer, aber die Besätze deutlich zurückgegangen. Zudem konnte der Berufsjäger einen weiteren Trend ausmachen: Neben dem Abwandern diverse Tiere, sind die verbliebenen vermehrt dazu übergegangen, ihren Flüssigkeitsbedarf anderweitig zu decken: Steigende Wildschäden, z.B. an Rüben, waren die Folge! Auch in diesem Revier verdorrten Äsungsstreifen, an anderer Stelle gingen nachgepflanzte Sträucher und Obstbäume ein, „da wir gar nicht so viel Wasser dorthin fahren konnten, wie die Hecken oder die Obstremise an Bedarf hatten.“ 

Auch andere machten vergleichbare Beobachtungen, wie eine Revierinhaberin, die meint, „einen immer größeren Aktionsradius diverse Tierarten“ beobachtet zu haben. Sie führt das „auf fehlende Äsung sowie die Suche nach Wasser“ zurück“ und ergänzt: „Die letzten drei Frühjahre waren insbesondere hinsichtlich der Hasenbesätze ideal. Wir hatten keine Verluste durch Kälte und Nässe. Aber zur Jahresmitte, dies erlebe ich zum ersten Mal, scheinen Fasanen und Hasen abzuwandern.“



Auswirkungen auf die Jagdpraxis

Besonders deutlich wurde das veränderte Verhalten so mancher Art, wenn man Berichte einiger Landwirte oder Angler mit einbezieht. Viele Landwirte wussten zu berichten, dass sich Tiere unterschiedlichster Arten umgehend dort einfanden, wo eine Beregnung lief! Tenor: Wer z.B. Sauen jagen will, braucht sich nur neben die Beregnung stellen. Von regelrechtem Genuss seitens einiger Rehe oder verschiedener Vogelarten war ebenso die Rede, die sich gezielt unter den künstlichen Regen stellten oder anschließend aus den Pfützen tranken. Vom Bock bis zur Wildbiene nahmen alle das kühle Nass umgehend an.

Ein passionierter Angler, der regelmäßig auf Buhnenköpfen der Elbe seiner Fischweid nachgeht, erlebte schon mehrmals, dass sich Rotten „auf benachbarten Buhnen einfanden und regelrecht im Strom zu baden und ausgiebig zu trinken scheinen.“ Auch kleinere Rotwildrudel wurden am Elbstrand schon gesehen oder mehrfach gefährtet – ein bis dato unvorstellbarer Vorgang.

Betroffen sind demnach nicht nur Schalenwildarten, sondern auch das Niederwild, Insekten usw. Ob Rotachter oder Überläuferbache, ob Häsin oder Fasanenhahn: Sie alle sitzen in vielen Regionen derzeit auf dem Trockenen. Immer häufiger hört man von den oben beschriebenen, z.T. radikalen Verschiebungen der Einstände beziehungsweise Lebensräume. Wie können/müssen wir darauf reagieren?








Unterschiedlichste Tierarten nutzen selbst am Tag
 inzwischen "Suhlen" als Trinkwasser-Reservoir –
hier eine kleine Auswahl.


Ehedem entschieden in erster Linie Ruhe, Äsungsangebot und geeignete Einstände/Biotope (mit) über das Vorhandensein diverser Arten. Beleuchtet man hingegen die Verhältnisse in den o.g. Revieren, so scheinen diese und andere Parameter hinter dem Vorhandensein von Wasser zurückzutreten. Mindestens für weite Teile Norddeutschlands scheint das Credo der kommenden Jahre zu sein: Nur wer das Wasser hat, hat das Wild! Darin einbezogen ist nicht nur das oberirdisch wie auch immer vorkommende Wasser, sondern die mehrmonatige Verfügbarkeit tatsächlich nahrhafter, grüner Pflanzen/Äsung. 


Im ersten Schritt mehr Wasser 

Wie groß die Bedeutung von Wasser bzw. Kühlung sein kann, verdeutlicht ein Projekt eines befreundeten Jägers, der im Frühjahr 2020 sein Waldrevier hinsichtlich neuer Tümpel und Suhlen neu aufstellte. Gleich an vier Stellen wurden großzügige, mit Lehm ausgekleidete Suhlen/Wasserlöcher geschaffen. War der schmal geschnittene Beritt ehedem eher ein Durchzugskorridor für Rot- und Schwarzwild, nahmen beide Arten umgehend alle vier Stellen dauerhaft an. 



Kaum angelegt, schon angenommen!

Die Rudel und Rotten verweilten nun länger im Revier oder erwählten den Beritt nun zum Einstand. Wildkameras belegten: Teilweise über Stunden ruhten die Tiere im/am Wasser. Dies mag ein erster Wink sein, wie wir reagieren könnten, haben sich doch alle anderen Umstände im beschriebenen Revier nicht verändert!

Künstlich angelegte Tränken und Wasserstellen – und sein sie noch so klein – haben nicht nur für viele Vogel- und Insektenarten eine große Bedeutung. O.g. Berufsjäger hat diese Hilfen überall im Revier verteilt und fährt sie bei Bedarf mit dem Pickup und Wasserfass an. Zudem sind längst Fasanenschütten mit einer Dachrinne und Schale darunter versehen, ebenso wurden kleine Stichgräben angelegt, die von asphaltierten, landwirtschaftlichen Wirtschaftswegen in den Graben daneben führen. Wenn es denn regnet, kann so Wasser aufgefangen werden. 

Nach Rücksprache mit der Besitzerin, bekam auch der Offenstall auf der Pferdeweide eine Dachrinne und ein flaches Behältnis zum Sichern des Regenwassers. Diese Einrichtung hat sich inzwischen u.a. bei Rehen und Fasanen herumgesprochen, die sich, wie so viele andere auch, nicht an den Pferden stören und trotzdem zum Schöpfen erscheinen. Weitere Feldscheunen und Unterstände sehen derweil einer vergleichbaren Nachrüstung entgegen. 


Äsung – Hungerkünstler nutzen

Wo Schatten ist, wächst so manches Getreide/Feldfrucht schlechter, als an voll besonnten Stellen. Diese Regel gilt natürlich noch immer, wird aber hinsichtlich neuer Äsungsstreifen inzwischen wohlweisslich immer öfter ignoriert. Ja, der Zuwachs ist geringer, aber immerhin bleiben die Pflanzen länger grün und nahrhaft. Also lieber weniger im Angebot, als ein vertrockneter Wildacker? Mindestens ein „Jein“ dafür – und so finden sich vermehrt Äsungsstreifen als Wildäcker in Wald- und Feldrevieren. Zudem wird so, vergleichbar mit der mosaikartigen Verteilung der Tränken und Wasserstellen, vermieden, dass Wild sich irgendwo massiert. 

Auch die Zusammensetzung der Wildackermischung gilt es inzwischen zu überdenken. Wer auf einige Hungerkünstler setzt, erhöht die Chancen, Wild länger Äsung anbieten zu können. In meinem Revier bilden Buchweizen, Schwarzhafer und Weißklee den Kern der Mischungen. Außerdem habe ich einen Schwenk von ehedem nur Wildäckern zu mehr Wildwiesen vollzogen. Eine entsprechende Klee-Gras-Mischung hält nachweislich länger durch, als hochgelobte Pflanzenarten, die nicht einmal mehr die Jahresmitte erleben, da sie vertrocknet sind. Und das kennen wir auch vom Rasen im eigenen Garten: Der Rasen wird wieder grün, nachdem es regnete, die Erholung tritt zudem erstaunlich schnell ein. Da waren zu dem Zeitpunkt schon Wildackerflächen längst irreparabel verloren.


Auch der Waldbesitz ist in Bedrängnis

Dies sind nur einige wenige Wege, auf die veränderte Situation zu reagieren. Da zu befürchten ist, dass uns Dürre, Insekten-Kalamitäten und Orkane vermehrt in den kommenden Jahren begleiten, werden noch viele Herausforderungen auf uns zu kommen. Diese haben z.T. nur indirekt oder in zweiter Instanz mit dem Klimawandel zu tun. 

Wenn wir noch einmal zum Anfang dieses Beitrages springen, erkennen wir das Spannungsfeld von Waldumbau in Zeiten des Klimawandels versus Verbiss- und/oder Schälschäden durch z.B. Reh- und Rotwild. Da zudem Fördermittel für Forstgatter immer öfter gemindert oder abgeschafft werden, wird der Waldbesitz auf angepasste Wildbestände drängen (müssen). Viel Spielraum für Toleranzen hat der Waldbesitz – und sei er noch so wild- und jagdfreundlich – nicht mehr. Auch auf diesem Wege kommen also u.U. größere Aufgaben auf uns zu.


Kein Ende der Dürre in Sicht – einige lohnende Links: 

Studie zu Dürre im Alpenraum, www.zamg.ac.at

Bundesministerin legt Waldzustandserhebung 2020 vor: www.bmel.de

Dürresommer erwartet“, www.wienerzeitung.at

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, „Dürremonitor Deutschland“: www.ufz.de

Umwelt Bundesamt, „Trockenheit in Deutschland – Fragen und Antworten“:, www.umweltbundesamt.de

NASA Earth Observatory, „Signs of Drought in European Groundwater“: https://earthobservatory.nasa.gov/

Deutschland trocknet aus: In 20 Jahren einmal der Bodensee

https://www.agrarheute.com/management/betriebsfuehrung/deutschland-trocknet-20-jahren-einmal-bodensee-591637









Von Jagdpacht-Fallen und Inkonsequenzen

Ziel der aktuellen Forstpolitik sowie waldbauliche Strategie der allermeisten Forstverwaltungen und Privatwaldbesitzer ist ein artenreicher Mischwald. Der Wald soll seine zahlreichen Funktionen (Wasserspeicher, Lebensraum, Immissionsschutz, Sauerstoffproduzent, Lawinenschutz und so weiter) auf der Grundlage dieser naturnahen Mischwälder erfüllen. Mischwälder sind aber keine Produkte kurzer Entstehungszeiten, sondern komplizierte Systeme mit zahlreichen Vernetzungen, die in der Regel erst wachsen beziehungsweise mancherorts sogar erst entwickelt, „umgebaut“ werden müssen. 


Egal, ob bereits umgebauter Wald, noch vorhandene Monokulturen oder sich im Umbruch befindender Wald – nahezu überall ist er Lebensraum von (mindestens) Rehen sowie vielerorts von Rotwild. An anderer Stelle finden sich möglicherweise auch noch Dam- oder Gamswild, um nur zwei weitere Schalenwildarten zu nennen. Alle diese Wildarten gehören, wenngleich mit unterschiedlichen Präferenzen, zu den Pflanzenfressern – und damit stehen Bäume und ihre Bestandteile auf dem Speiseplan des Schalenwildes. Neben der Nutzung als natürliche Nahrungsquelle, kann das Verhalten des Wildes den Wald und seinen Wuchs beeinträchtigen. Dazu gehört in besonderem Maße das Fegen mit Geweih und Gehörn an Bäumen, entweder zur Entfernung des Bastes, zum Kennzeichnen des Territoriums (Rehwild) oder als Imponiergehabe (Rotwild). Dieses Verhalten kann in einem Wald zu großem Schaden führen, da die Beschädigung der so genutzten Bäume erheblich ist. 


Findet sich im Wald ein ausgewogenes Verhältnis von Wild und Bäumen, ist die Nutzung als Nahrungsquelle und das Verhalten der Tiere unproblematisch. Das Wild richtet dann auch keine „Schäden“ an. Reh, Hirsch & Co können also den Wald auf unterschiedlichste Art und Weise dem Lebensraum beeinflussen. In Maßen ist dies völlig natürlich und auch waldverträglich. Im Übermaß hingegen kann der Wald diese Einflüsse nicht mehr ausgleichen. Die Auswirkungen eines überhöhten Wildbestandes auf den Wald macht die Umsetzung des Waldumbaus nahezu unmöglich.


Derzeit befindet sich aber vielerorts zu viel Wild im Wald, die Schäden, die dadurch entstehen, sind erheblich. Neben der Störung des gesamten Ökosystems Wald, bedeuten diese Schäden außerdem auch beträchtliche wirtschaftliche Verluste. Dazu gehören dann unter anderem:


- Verlust des Zuwachses

- Verlust des Holzwertes

- Ertragsverluste


Die Vermarktung des Holzes ist aber eine, wenn nicht die elementare Aufgabe von Forstverwaltungen – insbesondere in Zeiten eines – u.a. durch das Klima und ein oft wirtschaftlich schwieriges Umfeld – belasteten Marktes. Als Gegenmaßnahmen gegen Schäden durch Wild kommt entweder der Schutz jeder einzelnen Pflanze oder der Schutz einer ganzen Fläche in Frage. In vielen Wäldern müssen derzeit aufgrund zu hoher Wilddichten Zäune als Schutz eingesetzt werden, denn die Jungpflanzen hätten sonst keine Chance zu wachsen. 

Beim Einsatz der Zäune oder Gatter werden die daraus resultierenden Folgen oft vergessen oder gar in Kauf genommen: Zunächst versiegeln Gatter den Wald. Diese Flächen sind unpassierbar und hinter der Absperrung gibt es keinen Zugriff auf Äsung. Ein erhöhter Wilddruck lastet als Folge auf den verbleibenden Flächen. Die dort entstehenden Schäden addieren sich zu den hohen Erstellungs-, Kontroll- und Unterhaltungskosten für bereits „wilddicht“ eingezäunte Flächen. Bestehen nun die Schutzvorrichtungen länger, bleiben diese irgendwann nicht mehr wilddicht. Es sind nicht nur die Verlockungen abwechslungsreicher Äsung, die das Wild an den gezäunten Flächen reizt. Bei den vielen Menschen, die in den Wald drängen, herrscht manchmal nur noch dort Ruhe, wo Zäune den Menschen abhalten – die Jäger übrigens eingeschlossen.


Wildschäden oft unterschätzt


Die Populationen waldbaulich bedeutender Wildarten (Rot-, Dam- und Rehwild) steigen seit Jahrzehnten immer mehr an. Statt weniger, bekommen wir immer mehr Wild im Wald. Die Folgen: 


- Wildschäden nehmen zu

- Die Kosten für Schadenspräventionen steigen

- Der Jagdaufwand wird größer


Es besteht daher ohne Frage oft akuter Handlungsbedarf. Aber: Wildschäden werden in ihren Auswirkungen von Waldbesitzern und Jägern oft unterschätzt! Diskussionen unter Förstern, Waldbesitzern und Jäger legen den Schluss nahe, dass – insbesondere im Privatwald – das Thema Waldwildschäden oft noch nicht angekommen ist. War es nicht früher eben dieser Personenkreis, der den eigenen Wald als Aussteuer, Sparkasse, Rücklage oder Altersversicherung definierte? Noch nicht einmal ein gesunder, kritischer Dialog findet sich hier! Daher seien folgenden mögliche Konstellationen / Fragen einmal aufgeworfen:


- Wann war der Waldbesitzer zusammen mit dem ihn betreuenden Förster im Wald, um das Thema Wildschäden zu erörtern?

- Wann waren Förster und der Jagdausübungsberechtigte einmal zu einer Begehung gemeinsam im Wald?

- Wann waren Waldbesitzer und Jagdpächter zuletzt gemeinsam zur Begehung in der Forst? 

- Wann und wie oft bieten Jagd- und Forstverbände gemeinsam (!) Seminare zum Thema Wald und Wild an?


Statt konstruktiven Dialog finden wir häufig einen gängigen Mechanismus vor, der immer öfter zu beobachten ist, wenn Schalenwild zunimmt und sich ausbreitet: Mit der Jagd 
(-verpachtung) kann man Geld verdienen, insbesondere als Grundbesitzer.


Nicht nur Grundbesitzer im kleinparzelligen Wald, sondern selbst die eine oder andere Privatforstverwaltung tappen in eine große Falle: Jagdeinnahmen durch Pachtverträge sollen Geld in die Kassen spülen. Erträge durch Jagdpachten erscheinen zu Beginn des Jagdjahres auf dem Konto. Sie sind damit messbar, machen sich buchhalterisch gut und belegen: Wir haben Einnahmen!


Die Jagdpachtfalle


Doch hier besteht ein großer Denkfehler: Haben Sie jemals die Zuwachsverluste von Pflanzungen dagegen gerechnet? Die Holzentwertung? Die Kosten für Forstschutzmaßnahmen? Die Summe aller Ertragsverluste? Wer sich einmal diese Mühe gemacht hat, kommt zu erschreckenden Zahlen.

Ammer, Vor, Knoke und Wagner addieren – trotz einer ebenso konservativen wie optimistischen Berechnung – in ihrem Werk „Der Wald-Wild-Konflikt“ die Kosten für Wildschutzzäune beispielsweise für Deutschland mit „jährlich mindestens 90 Millionen Euro“. Die Ergebnisse der Bundeswaldinventur lesen sich so: „Jährlich werden rund 11 Milliarden Bäume verbissen, nahezu jeder fünfte junge Baum (18,8 Prozent). Um Verbiss vorzubeugen, sind rund 300.000 Hektar Wald eingezäunt (etwa 2,6 Prozent). Auch die Schälung von Bäumen durch Rotwild führt zu massiven ökonomischen Schäden“. 

Ob Österreich, Schweiz, Deutschland, ja, selbst im kaum bewaldeten Dänemark, um nur einige zu nennen, gehen viele Rechnungen nicht mehr auf. Die immensen Summen, die zum Schutz der Pflanzen gegen das Wild ausgegeben werden, sind nur ein Teil der Ungleichung.

In der Praxis bedeutet das durchaus einen Konflikte zwischen Waldbesitzern und Jagdpächtern, zwischen Naturschutz-, Forst- und Jagdverbänden … Man kann eben nicht einerseits eine hohe Jagdpacht verlangen, andererseits aber verlangen, die Wilddichte bitteschön doch so regulieren, dass die Ziele moderner Forstwirtschaft und des aktuellen Waldumbaus umsetzbar sind. Dass Jäger für viel Geld beste Konditionen verlangen werden, ist aus ihrer Sicht verständlich. Aber, wie formulierte es einmal Prof. Dr. Friedrich Reimoser: „Leute, die sich ehrenamtlich engagieren und dafür auch noch viel zahlen, dann aber (…) eine Regulierung des Schalenwildes durchführen müssen, sind nur bis zu einem gewissen Grade belastbar.“ 

Genau hier geraten manche Waldbesitzer in die Jagdpachtfalle. Zudem ist nicht immer der Jagdpächter, der einen deutlich höheren Preis bezahlt als ein Mitbewerber, auch der bessere Jäger – vor allen Dingen aus Sicht des Waldes. Ein den waldbaulichen Zielsetzungen aufgeschlossener (ortsansässiger?!?) Jäger mag ruhig weniger Pacht zahlen, er „rechnet sich“ aber für die kommenden Generationen bei weitem mehr. Dies wird seitens vieler Waldbesitzer oft vergessen. 



Nicht automatisch ist der Jagdpächter, der den höchsten Pachtzins anbietet,  
auch der bessere Jäger aus Sicht des Waldes/des Waldbesitzes.



Schalenwild versus Biodiversität!

Auch wenn sicherlich verschiedene Elemente (z.B. Freizeitaktivitäten der Menschen) die Waldwildschäden zusätzlich erhöhen, so bleibt doch zunächst die Wilddichte DER Faktor, der Schäden zu Schäden werden lässt! Die Wilddichte steht keineswegs in einer langen Reihe von Ursachen erst an untergeordneter Stelle, sondern ganz oben! Hier liegt die erste Gefahr für die Jagd in der Zukunft:

Hören wir bitte auf, die Gemeinsamkeiten zwischen Waldbesitz, forstlichen Zielen (Dauerwald) und Jägern gebetsmühlenartig zu wiederholen. Fakt ist: Der zivile Jäger will jagen, der Waldbesitzer möchte Holz ernten. Der Freizeitjäger nutzt den Wald als Kulisse, für den Waldbesitzer ist die Jagd lediglich ein Element seines Umganges mit dem Eigentum. Der (Wald-)Besitz hat ökologisch und gesellschaftlich viel umfassendere Aufgaben!

Wildschäden und Ertragsverluste werden mindestens Förster und zunehmend auch laufend mehr private Waldbesitzer immer weniger hinnehmen. Noch einmal Prof. Dr. Friedrich Reimoser: „Wenn sie (Anm. des Verfassers: die Jäger) eine Aufgabe nicht mehr schaffen, könnte es so enden, dass ich Profis anstellen muss. Aber die zahlen dann nichts mehr, sondern die muss ich bezahlen. Das ist volkswirtschaftlich und betriebswirtschaftlich eine 180-Grad-Kehrt-Wende.“

Mehr noch: Wenn die jeweiligen Jagdausübungsberechtigten nicht die Wildschäden in Feld und Wald in den Griff bekommen, wird irgendwann der Gesetzgeber reagieren müssen! Unterstützt durch verschiedene mehr oder weniger ökologische Verbände, aber später auch durch mehr Druck aus der Land- und Forstwirtschaft, werden dann wahrscheinlich Gesetze erlassen, die Jäger UND Waldbesitzer Dinge auferlegen, die diese längst hätten regeln können und müssen. 

Schon jetzt zeichnet sich ab: Die Schere ökosystemverträgliche Waldbewirtschaftung UND tatsächlich jagdliche Praxis geht bei immer höherer Belastung öffentlicher Haushalte und steigenden Holzpreisen laufend weiter auseinander! Alle Schutzmaßnahmen kosten sehr viel Geld. Dieses Geld wird vermutlich in absehbarer Zeit gestrichen, es muss gestrichen werden, handelt es sich doch dabei zumeist um Steuergelder. Oder wie formulierte es unlängst eine deutsche Politikerin: 
„Es kann nicht sein, dass einerseits 800 Millionen für einen geschädigten Wald bereitgestellt werden, aber andererseits Waldbesitzer und die Jäger ihre einfachsten Hausaufgaben nicht machen.“ In Österreich und der Schweiz dürfte diese Haltung sicherlich die gleiche sein bzw. zunehmend vertreten werden. 

Aus diesen Punkten resultiert: Die Frage der (Wald-)Wildschäden wird in Zukunft zur Achillesferse der Jagd! Mehr noch: Wenn derzeit mit zunehmender Intensität über (brennende / abgestorbene) Wälder diskutiert wird, ist es in hohem Maße wahrscheinlich, dass weder die Gesellschaft noch die Politik fürderhin hausgemachte (!) Probleme wie überhöhte Wildbestände hinnehmen werden. Wieder drohen Eingriffe in den (Privat-)Wald.




Der zivile Jäger will jagen, der Waldbesitzer möchte Holz ernten.
Der Freizeitjäger nutzt den Wald als Kulisse, für den Waldbesitzer ist er Eigentum.


Immer Wald UND Wild


Doch was tun „wir“? Viele aktuelle
 Diskussionen zwischen Waldbesitzern à la couleur und der Jägerschaft sind vom Grundsatz her falsch geführt, der häufig von gegenseitigen Vorwürfen geprägte Ringkampf dieser Nutzergruppen zielt leider viel zu kurz! 

Ein Wald ist die Summe hunderter Arten. Im Fokus vieler Jäger steht aber oft nur das Schalenwild. Dank Bemühens (Hege) und der schmalen Interessen der Jäger übervorteilen aber diese wenigen Arten ein komplettes Ökosystem, indem nur sie im Mittelpunkt stehen und/oder das System in seiner Gesamtheit, zum Beispiel durch die angesprochene Entmischung, schädigen. Wenn wir einmal den Forst-Jagd- und somit den „Mensch-Wald-Wild-Konflikt“ kurz beiseite schieben, kristallisiert sich ein ganz anderer Konflikt heraus, der beiden in Kürze vor die Füße fallen wird: Der Schalenwild versus Artenvielfalt-Konflikt!

Die Diskussion „Das Schalenwild-Wald-Problem ist ein Konflikt zwischen Nutzern“ greift also völlig zu kurz. Dazu Dr. Jürgen Goretzki, Eberswalde: „Der Wald-Wild-Konflikt ist eine überwiegend monetär ausgerichtete Erfindung des Menschen, mit der auch gleichzeitig die Multifunktionalität des Ökosystems und des Kulturgutes Wald bagatellisiert wird.“ 

Es gibt ein Biodiversitätsproblem, wenn zu viel Schalenwild den Wald dominiert! Dabei obsiegen leider die negativen Effekte, auch wenn sich Andreas Kinser, Deutsche Wildtierstiftung, im Internet unter rotwild.org bemüht, auch die Vorteile des Schalenwildes im Wald herauszustreichen: „Über Verbiss und Schäle hinausgehende Effekte wie Samentransport in Fell, Hufen und Kot oder die Bedeutung von Abfallprodukten wie Haare, Geweihe oder Kadaver haben bis heute in der Diskussion um naturnahe Forstwirtschaft oder den Erhalt unseres Naturerbes keinerlei Relevanz.“ Auch wenn Schalenwild die ein oder andere Lichtung freihält oder Kot von A nach B trägt, bleiben die negativen Effekte im Sinne des Waldes leider bei weitem dominant.

Das Biodiversitätsproblem, welches überhöhte Schalenwilddichten hervorrufen, ist mit keinem Gegenargument wegzudiskutieren!

Apropos: Alle Diskussionen, ob es nun „Wald vor Wild“ oder „Wild vor Wald“ lauten muss, sind völlig obsolet. Es ist immer „Wald UND Wild“, das muss es sein, denn auch die Schalenwildarten sind Bestandteil des Ökosystems und des Kulturgutes Wald und machen ihren Teil der Biodiversität aus! Schenken wir uns bitte zukünftig jeden Formulierungsstreit!

Vergessen wir zudem bitte eines nie: Schalenwild selber ist per se an Schäden nicht „schuld“. Es äst, schält und fegt weil es muss. Wo massive Schäden auftraten oder noch auftreten, haben diese Schäden wohlmeinende „Heger“ sowie jene Waldbesitzer und Förster, die eine Überhege zuließen, gemeinsam verursacht!

Die Welt um uns verändert sich. Verändern wir uns mit?

Ein Jagdaufseher-Seminar beginnt, neun Teilnehmer sind zugegen und, wie die Referenten in der folgenden Woche feststellen, somit aufaddierte Jagdjahre deutlich im dreistelligen Bereich. Nieder- wie Hochwildreviere sind ebenso vertreten, wie Feld- und Waldjäger. Nach der obligatorischen Vorstellungsrunde wird zum Einstieg immer ein Test geschrieben. Dieser ist in der Regel deckungsgleich mit dem Fragebogen „Jagdrecht“, den der letzte Jungjägerkurs in seiner Prüfung bewältigen musste. Keinesfalls (!) sollen die Probanden hier vorgeführt werden, aber dieser Test „ist nun mal eine der Hürden, die auch unsere Jungjägerinnen und Jungjäger kürzlich stellen mussten. Hier ist ein wertfreier Vergleich zu den praktizierenden Kursteilnehmer statthaft“, wie es der Lehrgangsleiter des Jagdaufseherkurses formulierte. Auch dieser Lehrgang liegt bezüglich mit seinen Noten dann auf dem Niveau, das nahezu alle Jagdaufsehrkurse vorher abgebildet haben: Mehrfach Note Vier und Fünf, eine Zwei oder gar eine Eins kommen nicht vor. Tenor: „Längst vergessen“, Änderungen waren mir nicht bekannt“, "wer hat sich denn solche praxisfernen Fragen ausgedacht", ... 

Bilden wir uns ausreichend fort? Sind wir immer noch auf der Höhe der Zeit? Beispielhaft ist da der Blick ins Feldrevier und auf die dort wirtschaftenden Agronomen. Was hat sich (nur) in den letzten zwei-drei Jahrzehnten alles um mich als Feldjäger herum verändert? Nur einige wenige Beispiele: Veränderte Saatgut-Mischungen (die EU lässt grüßen) bei Zwischenfrüchten, längst andere (Welt-)Märkte und (Welt-)Marktpreise, mehr große Lohnunternehmen, Höfe-Sterben, vermehrt Bio-Landwirtschaft hüben, „wachse oder weiche“ drüben, die rasante Zunahme der Maisanbau-Fläche – und eine galoppierende Veränderung im Bereich landwirtschaftlicher Hochleistungstechnik. 

Weiß ich genug darüber, um mich als Jäger innerhalb eines Feldreviers mit den Jagdgenossen/Bauern überhaupt noch unterhalten zu können? 


Ein kleiner Ausschnitt eines Kürbisfeldes irgendwo im Nordosten Niedersachsens.
Wie denken Hase und Huhn darüber? Und: Ich liebe Kürbis-Suppe! Was nun/tun?

Szenenwechsel: Was wissen Waldjäger konkret um die gegenwärtige Situation der Forstpartie?

Über die aktuelle Borkenkäfer-Kalamität, von Anbauversuchen mit Ess-Kastanien, über Frühjahrstrockenheiten und längst leere Wassergräben. Spricht man derzeit mit FörsterInnen, verstehen viele von uns Jägerinnen und Jägern erst jetzt nach und nach, warum in den letzten Monaten geradezu ein Wettlauf der Försterinnen und Förster, z.B. gegen die Borkenkäfer, stattgefunden hat – und immer noch stattfindet. Sie hatten lediglich häufigen Harvester-Einsatz beobachtet und sich manchen Morgen darüber geärgert, dass die großen Laster der Holzabfuhr-Unternehmen (teilweise im Morgengrauen) ihnen scheinbar den Frühansitz verdarben. Die Dringlichkeit, mit der die eingeschlagenen Fichtenstämme aus dem Wald geholt werden mussten, erschloß sich ihnen bis dahin auch nicht. Zudem hatten sie keinerlei Vorstellung über den (mindestens regionalen) Verfall der Holzpreise. 


Borkenkäfer greifen Fichten an, eine ganze Fraßgesellschaft befällt Eichen,
Douglasien vertrocknen, Kiefern "aufgefressen" ...

Ein weiterer Punkt: In Revier tauch(t)en schon mehrfach große Holzhacker auf. Diese Maschinen zerkleinerten vor Ort nicht nur das Holz, sondern sorgten dabei auch für reichlich Lärm. Hintergrund: Mancherorts setzt man nun vermehrt auf die Holzschnitzel, da diese von Holz-Pellet-Herstellern sowie von Gartenbaubetrieben nachgefragt werden. 

Problemlos kann sich auch im Bereich Waldbau jede(r) Interessierte fortbilden, Dossiers lesen oder gelegentlich aktuelle Fachbeiträge lesen. Ich nutze dafür unter anderem gerne die Seite „Waldwissen – Informationen aus der Forstpraxis“ (https://www.waldwissen.net).

Zehn Euro zahle ich in diesem Moment gerne freiwillig in das berühmte Phrasenschwein: „Die Welt um uns verändert sich ständig!“ Verändern wir uns mit? Selbst wenn wir auf die uns lieb gewordene Tradition(en) und Kontinuität setzen: Abkoppeln von den Veränderungen können wir uns nicht. Möglicherweise wird uns in Feld- und Waldrevieren – was wir nicht hoffen wollen – ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest vor diverse Neuregelungen / Anordnungen / Anforderungen stellen – ob wir wollen oder nicht. Auch unabhängig vom zuletzt genannten Szenario, ist es meines Erachten mindestens unsere Aufgabe, unser Umfeld und deren Zwänge zu kennen! 

Muss ich das alles wissen? 

Ich meine: Je mehr, je besser, bilden wir doch mit Agronomen und Waldbesitzern eine Einheit auf gleicher Grundfläche, jeder mit seinen Zielen und Wünschen. Immer häufiger kollidieren diese – umso wichtiger ist es daher, sich zu informieren und auf dem neuesten Stand zu bleiben. Schon deshalb werde ich auch die kleine land- und forstwirtschaftliche Gewerbeschau besuchen, die in unserem Landkreis stattfindet.

Mein Fazit: Ich „muss“ sicherlich nicht „alles“ wissen, aber über je mehr Informationen ich verfüge, umso besser kann ich meine Jagd im jeweiligen Umfeld verorten – besser noch: entsprechend ausrichten. Und so war der Aufruf einer Forstfach-Seite im Internet oder der o.g. Besuch der Gewerbeschau hinsichtlich meiner Jagdpraxis schon häufig weitaus zielführender, als die Lektüre so mancher Jagdzeitschrift …

Religionskriege um die Hunde

Der Herbst steckt insbesondere beim Schalenwild voller Wandlungen. Gleich mehrere Brunften beginnen oder enden, das Wild ordnet seine Verbände neu. Hier und da wechseln schon Rudel in die Wintereinstände oder ziehen Hirsche endgültig aus den Brunftgebieten wieder fort. Ganz „nebenbei“ ist unser Jagdkalender prall gefüllt – alles Schalenwild hat Jagdzeit. Ausfluss dieser jagdlichen Fülle ist für mich mein erster Drückjagd-Termin des Jahres. Mein Bayerischer Gebirgsschweisshund und ich (Reihenfolge beachten, stand auch so verschmitzt in der Einladung) helfen bei einem Landesförster aus. 

Viele Gedanken haben sich der Mann und die Leitung des Forstamtes im Vorfeld der Jagd über die eingesetzten Vierbeiner gemacht, die während und danach tätig werden sollen. Ihr Credo: „Der Einsatz von Stöberhunden bei den Drückjagden, sowohl als geführte als auch vom Stand geschnallte Hunde, ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Jagdstrategie und -gestaltung. Durchgehenden Hundeführern, die unter Verzicht auf eigene Chancen zur Erlegung von Wild der Jagdgemeinschaft und dem gemeinschaftlichen Erfolg während einer Drückjagd dienen, kommt eine besonders hohe Wertschätzung zu.“

Dazu addieren sich – gelegentlich auch traurig-tragische – Erfahrungen aus den letzten Jahren: Schlecht oder nahezu nicht gekennzeichnete Hunde, waidlaute Vierbeiner, solche, die grundsätzlich nach ca. 15 – 20 Minuten das zu bejagende Revier verlassen hatten, im Zuge der Jagd irgendwo weit abseits unterwegs waren – und stets kilometerweit entfernt abends wieder eingesammelt werden mussten.

Mein Hund ist der Beste

Hier hielten Forstamt und die Revierförster in den letzten Jahren eine strenge Auslese. Die Folgen waren mannigfaltig und gelegentlich nicht vorhersehbar! Meuteführerin X nahm zähneknirschend hin, dass sie von ihren drei Hunden einen ganz „speziellen Vertreter“ zukünftig nicht mehr mitbringen durfte. Hundeführer Y („Was bilden Sie sich ein, ich habe hier schon unter ihrem Vorgänger gejagt“) nahm die Ablehnung eines seiner Jagdhunde auch sehr persönlich. Erst eine zweite, sehr direkte Ansprache führte dazu, dass auch er einen seiner vierläufigen (Nicht-)Jagdhelfer in Zukunft daheim belässt. 

Kurz: Es gehört auch eine Menge Mut dazu, solche Ansprachen zu tätigen – und sie dann, auch langjährigen Helfern gegenüber, durchzusetzen! Mehr noch: Wer untaugliche Hunde aussortiert, trägt meines Erachtens nicht nur zum Jagderfolg bei, sondern – und dies ist weitaus wichtiger – zum Tierschutz (der Waidgerechtigkeit). 

Dass wir alle eng mit unseren Hunde verbunden sind und deren Arbeit schätzen,
ist doch selbstverständlich. Mit jedem Jagderfolg wird diese Wertschätzung größer.

Foto: Jürgen Hollweg 

Besonders traurig waren für den ein oder anderen Revierbeamten aber der Umstand, dass gelegentlich langjährige Freundschaften zerbrachen, da die Hundeführer die Ablehnung ihrer Vierbeiner gar nicht wegstecken konnten. Aber dass diverse Rüdemänner Kritik an ihren Hunden nicht verdauen, überrascht nicht. Zu viele empfinden dies gleich als kompletten Gesichtsverlust. Wer in der Vergangenheit die Religionskriege um Rassen, Eignungen oder einzelne Vierbeiner mit anhören musste, ahnte vielleicht schon, wie Rüdemann XYZ auf das neue Regelwerk reagieren würde. Dass er allerdings ca. 15jähriges  gemeinsames Jagen mit dem Zuschlagen der Autotür und sofortiger Abreise beendete, erschütterte dann nicht nur den Förster. 

Verdreckte Weste schon zur Saisonbeginn

Und selbst wenn der Vierbeiner gut geeignet ist: Was nützt es, wenn sich Rüdemann ABC über 2 -3 Jahre nicht in der Lage sah, seinen (hervorragenden!) Hund hinreichend kenntlich zu machen? Auch er nimmt inzwischen nicht mehr an den Jagden teil, in deren Vorfeld seit vergangenem Jahr alle HundeführerInnen ein Merkblatt zugesandt bekommen. Dort finden sich dann auch Sätze wie „Das Tragen einer Hundeschutzweste für Stöberhunde ist Voraussetzung für die Teilnahme an der Jagd.“

Vom Stand geschnallt, versah dieser Vierbeiner – dabei immer wieder Bezug zum Hundeführer nehmend –
erfolgreich seine Arbeit. Die Weste gab Hund, Rüdemann und den Standnachbarn mehr Sicherheit!

Foto: Björn Friedrich

Der schlechten Erfahrungen der letzten Jahre eingedenk, endet dann das Merkblatt mit folgender Formulierung: „Der Schusswaffengebrauch durch Hundeführer im Treiben erfolgt nur im absoluten Notfall an krankem oder an wehrhaftem Wild.“
Während dieser Drückjagd habe ich auf meinem Stand noch einmal kurz das Merkblatt überflogen. Noch während der Jagd reifte der Entschluss, dass auch ich so ein Merkblatt für meine Hundeleute anfertigen werden. Weite Teile der Formulierungen werden ich eins zu eins übernehmen!

Von Borkenkäfern, Reitersleut' und Geocachern

Der Frühling ließ und lässt sich auch in unserem Waldrevier längst nicht mehr nicht verleugnen: Bereits im April verzückte uns die soge­nannte „Kirschbaum-Allee“. Dort hatte vor Jahren ein um Waldästhetik bemüh­ter Forstmann diverse Kirschen entlang ei­nes breiten Waldwegs pflanzen lassen. Deren Blüte führte dazu, dass wir zum Übergang der Monate April/Mai dort „angesessen“ haben, bewaffnet mit Foto­apparat und Kaffeekanne. Natürlich war dies auch genau die Zeit, um nach Fege­stellen Ausschau zu halten, Speicherkar­ten aus denjenigen Wildkameras auszu­lesen, die an Salzlecksteinen standen, und zudem sich über den allerkleinsten grünen Flaum auf dem Wildacker zu freuen.

Alles idyllisch im Waldrevier? Mitnichten! Der Borkenkäferfraß, vom vergangenen tro­ckenen Jahr und einem „Nichtwinter“ weiter befeuert, geht ungebremst weiter. Dazu addiert sich ein immer noch von di­versen Stürmen gebeutelter Holzmarkt. Die Förster und Forstwirte in unserer Re­gion können eigentlich, wenn sie vorne alle befallenen Bäume abgetrieben haben, hinten wieder anfangen. So sehen wir dann seit Wochen nicht nur einen Harvester- bzw. Forwarder-Einsatz, sondern bereits mehrere. Dazu addiert sich der Abfuhrbetrieb durch die LKWs. Die Holzkäufer sind angehalten, zügig die befallenen Bäume an den Wegrändern aufzuladen und abzufahren, stellen doch andernfalls die Holzpolter ideale Brutstätten für weitere Käfer-Generationen dar.



Und was war das für ein Aufruhr in der Hegeringversammlung, wo die erneute Auszeich­nung als „reiterfreundliche Region“ um­gehend zum Niedergang der Rotwildjagd erklärt wurde. Hand aufs Herz: Reiterinnen und Reiter sehen aus dem Sattel zumeist mehr Wild, als wir es je könnten. Der „Störfaktor Reitsport“ wird vielerorts auch gewaltig übertrieben. Sicherlich sind Mondschein-Reiten und der Reitweg über eine Äsungsfläche Störfaktoren,aber die oft zu spürende Feindschaft zwi­schen den Reitersleut‘ und der Jäger­schaft bleibt mir ein Rätsel. 



Dennoch können wir auch hier aktiv wer­den. In unserer Gemeinde galt es kürz­lich, eine Arbeitsgruppe zum Thema neu­es Reitwegenetz zu bilden. Ich habe mich da umgehend gemeldet und sitze nun mittendrin. Schon die erste Sitzung ver­deutlichte: Wir wissen alle viel zu wenig voneinander! Das neue Reitwegenetz um­schlägt nun sensible Bereiche in diversen Revieren. Unser kleiner Ausschuss traf sich mit Revierinhabern, Betreibern von Reitställen usw. Fazit: Viele Brennpunk­te konnten schon jetzt entschärft werden. Und, ja, es wird weiterhin Pferdefreunde geben, die reiten, wann und wo sie wol­len. Tipp: Erfolge auch mal wahrnehmen und sich nicht an Menschen abarbeiten, deren „Natur-und Tierliebe“ vor allen Dingen nur auf sie selbst abzielt. 

Nicht umsonst, dies sind ja nicht die ein­zigen Naturfreunde, sehe ich eine Chan­ce darin, statt immer zu opponieren mit­zumachen, mitzureden und ggf. selber tä­tig zu werden. Erinnern Sie sich noch daran, dass ich in einem der vergange­nen Beiträge schrieb, dass ich es selber war, der die Geocaching-Punkte rund um das Revier gelegt hat? Diverse 
attraktive Stellen in der Natur habe ich mit eben jenen Dosen versehen, die Geo­cacher 
so gerne suchen. So informieren meine Punkte unter anderem über „Fürst Bismarck, 
John Booth und der Grafen Douglasien“, ein kurzer geschichtlicher Abriss über 
den Beginn des Douglasienanbaus in (Nord-)Deutschland (https://www.geocaching.com/geocache/GC55NX2_furst-bismarck-john-booth-der-grafen-douglasien). Diese Dose liegt unter den ältesten und wahrlich monumentalen Douglasien im ganzen Forstamt. 




Diese stehen direkt neben einem viel befahrenen bzw. belaufen Hauptweg. Anderorts wird die „Buchhorst-Allee“ vorgestellt. In deren Verlauf liegen gleich vier (!) Dosen, was die Tour besonders attraktiv macht (https://www.geocaching.com/geocache/GC553QB_buchhorst-allee1). Neben vier verschiedenen Waldbildern finden Interessierte noch Informationen zum Vogelvolk entlang der Strecke. 



Nur zwei Beispiele, die folgende Entwicklung einleiteten: Bis heute dort Ruhe im Revier, wo ich sie mir wün­sche – und Geocacher an anderer Stelle, wo sie ihren Spaß haben ... 

Salz und Suhlen

Gerade muss ich wieder an die zahlreichen Mails, MMS und Whatsapp-Nachrichten denken, die unsereins im Winter 2018/19 erreichten. Haben Sie auch das Bild bzw. die Fotos erhalten, wo Jäger Rothirsche aus dem Schnee ausgruben? Oder die Whatsapp-Nachricht, die sich geradezu viral verbreitete und allein mich von diversen Seiten aus erreichte? Sinngemäß wurde darin die Frage aufgeworfen, ob denn „unsere lieben Freundinnen und Freunde von PETA“ sich derzeit auch ins Gebirge aufmachen würden, um den Wild zu helfen oder ob sie weiterhin, außer zum Hochsitzansägen etc., zu nichts für das Wild Gewinn bringendem in der Lage wären. Wunderbar! 

Derartige Bilder aus Österreich und Bayern sind hier in der Norddeutschen Tiefebene nur schwer zu verstehen. Auch dieser Winter war mal wieder keiner. „Unsere“ Kraniche waren gefühlt allenfalls sechs Wochen nicht zu sehen, überwinternde Waldschnepfen, zu denen Opa noch Lagerschnepfen sagte, fanden sich bei jedem Reviergang und beim Durchgehen als Treiber im Zuge der beiden Drückjagden zuhauf. Es mag sein, dass diverse aus dem Baltikum oder Skandinavien kamen, um hier zu überwintern. Die „gemeine Deutsche Waldschnepfe“ scheint hingegen nirgendwo mehr hin zu ziehen. Anders kann ich mir die Fülle dieser Tiere nicht erklären. Dazu addieren sich Rotmilan-Sichtungen im Dezember und Januar sowie die Fotofallen-Bilder ausgesprochen wohlbeleibter Graugänse auf dem Wildacker. „Unsere“ oder tatsächlich nordische Gastvögel? 

Darauf freue ich mich schon wieder:
"Kranich-Vollversammlung" am Wasserloch


Stillstand herrscht zu keinem Zeitpunkt im Jagdjahr, etwas zu tun gibt es immer. In Waldrevieren äußert sich das im März/April oft in geradezu unfassbarer Geschäftigkeit, was den Bau von Reviereinrichtungen angeht. Schmunzelnd muss man feststellen, dass allerorten hämmernde und sägende Jägerinnen und Jäger so manchen Specht aus der Fassung bringen, der frühlingshaft auf einem Resonanz-Ast trommelt, um sein Revier akustisch abzustecken. Neue Sprossen hüben und reparierte Leitern drüben – was wird derzeit nicht alles Instand gesetzt oder neu errichtet. 

Mein Augenmerk gilt derzeit Suhlen und Salz. Ein Traktor mit Frontlader hilft, Astwerk aus einem Tümpel zu räumen. Wildkameras verdeutlichen uns ferner, dass Salzlecken derzeit alles anzieht, was schwanger und/oder mit Geweih(e)schieben beschäftigt ist. Rot-, Reh- und Schwarzwild waren auf den letzten Speicherkarten meiner Fotofallen grundsätzlich mehrfach drauf. Umgehend sind alle Sulzen frisch beschickt, in zwei Fällen thront nun ein neuer Leckstein auf den Rudimenten der Vorgänger. Egal, dann brauche ich über einen längeren Zeitraum dort nichts mehr auffüllen.


Salz und Suhlen? Salz und Säugen! Während "Mutter"
Mineralien aufnimmt, stärkt sich der Nachwuchs.