Großvater kannte keinen „Starkregen“

Den Juli prägen – wie die Vormonate auch – wieder zahlreiche Wetter-Kapriolen, erste suchende Böcke, schiebende und fegende Rothirsche, Trockenheit, ...

Die App, die mir täglich das Wetter auf den Computer und das Smartphone zaubert, weisst wieder einen roten Balken auf. Dort steht (wie oft eigentlich schon in diesem Jahr?) in Großbuchstaben UNWETTERWARNUNG! Da ich ja die alten (Jagd-)Tagebücher meines Großvaters in Ehren halte und immer wieder darin gerne lese (Sütterlinschrift auf altem Papier, wie wunderbar im Vergleich zu den Mails oder SMS-Nachrichten von heute), durchstöbere ich einige seiner Seiten bezüglich etwaiger Wettereinträge. Sicherlich hat es zu Opas Zeiten auch gewittert, unstrittig gab es auch (Herbst-)Stürme und „früher hatten wir noch einen Winter“. Heute hingegen vergeht kaum eine Woche, in denen nicht in den Abend-Nachrichten über die Ufer getretene Flüsse, überschwemmte Dorfstraßen, Bäume auf Gebäuden oder Hagel zur Unzeit vermeldet werden. 

Gestatten Sie mir noch einen Rückblick, dieser reicht nur eine Generation in die Vergangenheit, ein der diversen Fahren über das Land mit meinen Eltern, Sonntagsausflug genannt. Wenn wir abends zurückkamen, war die Windschutzscheibe, die Motorhaube und die Frontscheinwerfer nahezu schwarz vor (toten) Insekten. Die Montage danach fuhr Vater dann zur Tankstelle, kaufte extra Insektenlöser, um diesen dann auf die Scheibe aufzutragen. Hierfür gab es auf den Tankstellen an allen Waschstraßen „Zerstäuber“ und kleine (Draht-)Schwämme, mit den mein Vater dann mühselig das Auto vorreinigen musste. Und heute?

Direkt hinter unserem Haus habe ich einen ca. 0,5 Hektar großen Wildacker angelegt, der inzwischen von Phazelia, Raps, Buchweizen usw. bestanden ist. Inzwischen konnte ich auch als Laie vier verschiedene Hummel- sowie diverse Schmetterlingsarten ausmachen. Dazu addieren sich diverse Wildbienen aller Art. Durch die extra lückige Bestellung flankieren unzählige Ameinsennester im Boden sowie (Lauf-)Käfer das Insekten-Angebot, kurz: Tierisches Eiweiß satt! 

Dort, wo der Boden großflächiger brach liegt, weil ich bewusst Fehlstellen einbauen ließ, suchen Wendehälse und andere Vertreter der Spechte sowie unlängst auch ein Wiedehopf nach Nahrung. 
Insekten- bzw. Bienenreichtum ist ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Reviere, auch völlig abseits jagdlicher Interessen! Es ist in diesem Zusammenhang einigermaßen erschütternd zu sehen, wie kleinste Diestel-Horste, die paar blühenden Pflanzen neben dem Waldweg und selbst der Weissklee wie Oasen in der Wüste angeflogen werden.




Nur kurz zurück zum Beginn dieses Artikels: Während ich entsprechende Bilder raussuche und dieses Zeilen verfasse, kommt meine Frau ins Büro und erklärt mir, dass sie gleich den Router herunterfahren wird und ich doch schon mal alle Rechner vom Netz nehmen möge, dass „Gewitter mit Starkregen kommt jetzt näher“, verbunden mit dem Hinweis, dass „doch erst vor zwei Wochen ein Blitzeinschlag in der Nähe dazu geführt hat, dass unsere Telefonanlagen ausgefallen war. Recht hat sie, ich unterbreche meine Schreiberei und muss noch einmal an Großvater denken: „Offline“ kannte er auch nicht, der Glückliche!